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Gebete und Gedanken
für Fest und Feier in einer globalen Welt

 

- Lob und Dank

- Geburt,  Taufe, Namensgebung

- Liebe,  Partnerschaft,  Hochzeit, Ehe

- Vermächtnis, Lebensernte, Lebensrückblick

- Abschied, Trauer, Tod

 

Inhalt:

 

Vorwort

Gebete und Texte

Nachwort

 

 

Vorwort

In dieser Sammlung finden Sie Gebete, Hymnen und Psalmen, Gedichte und  Gedanken aus verschiedenen Religionen, Kulturkreisen, Philosophien und Weltanschauungen. 

Vielleicht kennen Sie die Situation: Ein Fest, eine Feier wird geplant. Die Musik ist ausgewählt, die Rede vorbereitet, - aber es fehlt noch etwas Wichtiges: ein passendes Gebet. 

Aber: Wie soll ich beten, wenn ich weiß, dass unter den Gästen  verschiedene Religionen vertreten sind? Oder wenn ich weiß, dass manche Gäste zum Beten überhaupt keinen Zugang haben? Taktgefühl ist erforderlich. Es fällt oft nicht leicht, die richtigen Gebetstexte zu finden im Kreise von "Gläubigen, Halbgläubigen, Andersgläubigen, Gutgläubigen, Ungläubigen..."  

Diese Sammlung wählt Gebete aus, die man in einer solchen Situation guten  Gewissens lesen und beten kann.Geburt und Tod, Freude und Dank, Leid und Not,  Liebe und Trauer etc.  haben den Menschen immer bewegt.  Religionen haben Rituale dafür gefunden, Dichter haben Texte und Lieder geschaffen. Der Mensch braucht sie. Sie tun ihm gut. 

Manche Texte in religiösen Ritualen sind uns ein Quell der Freude geworden. Manche aber sind nichts-sagend, manche auch ein Anlass für Ärger geworden.  Vor allem  dann, wenn sie engstirnig und intolerant sind.   Die Welt wächst zusammen. Dafür brauchen wir Frieden. Da verträgt es sich nicht, wenn Rituale und Gebete die Sprache von Intoleranz und Engstirnigkeit, von  Macht und Herrschaft sprechen. Die Kriterien der Sammlung sind folgende:
 

- Die Texte sollen den Geist der Friedensliebe atmen.

  Sie sollen nicht intolerant, dominant, nicht herrisch, rechthaberisch,

  ideologisch starr, dogmatisch sein.

- Die Texte sollen gut verständlich sein

   auch über religiöse und kulturelle Grenzen hinweg.

- Die Texte sollen gut vorlesbar sein.

  Nicht zu kurz, nicht zu lang, sondern so, dass sie

  als "Programm-Punkt" in einer Feier wirken können.

Die Texte wurden nach diesen Kriterien ausgesucht. Ein noch so schönes, aber zu kurzes Gebet ist für diesen Zweck nicht geeignet. Ebenso wenig eine zwar wunderbare, aber zu lange Meditation. Eine Seite sollte nicht überschritten werden. Eine Volltext-Seite zu lesen dauert ca. 4-5 Minuten. Manche Texte wurden gegebenenfalls gekürzt  oder  behutsam unserem Sprachverständnis angepasst. Altehrwürdige oder poetische Texte sollten aber nicht unnötig sprachlich "aktualisiert" werden. Denn sie  wirken ja oft besonders eindrucksvoll  eben durch die nicht-alltägliche Sprache. Nicht die unbedingte Nähe zum Original, die Text-Treue, war das Wichtigste, sondern der menschen-freundliche und menschen-verbindende Inhalt.

Haupt-Kriterium war: Menschen mit verschiedenen religiösen  und weltanschaulichen Positionen sollen  zum Nachdenken angeregt werden, sollen "etwas mitnehmen können".

Der religiös weise Mensch versteht die Gebete jeder Religion: Er versteht es, wenn sich der Christ an Gott wendet oder an Jesus Christus wendet, der Gott als  liebenden Vater sehen lehrte. Er versteht es, wenn sich der Jude an den Gott seiner Väter, der Moslem an Allah, den einzigen, wendet. Er versteht es, wenn sich Buddhisten und Hinduisten betend und meditierend vertiefen im unendlichen Brahman.  Der weise Christ  wird respektieren, dass viele  das umgreifende Göttliche ehren, ohne es dogmatisch fest legen zu wollen, oder es in der Natur und der Musik eher finden als im Wort. Und der weise Buddhist oder Atheist weiß und respektiert, dass Theisten oder Juden mit Gott etwas bezeichnen, was für sie die höchste und tiefste, die alles umgreifende Wirklichkeit ist.
 

Die Weisen aller Religionen werden sogar respektieren, wenn jemand überhaupt  keine Aussagen über Gott machen will. Denn immer noch gilt: "Deus semper maior" =  d.h. Gott/ das Göttliche ist immer größer  als wir Menschen mit unseren kleinen Gehirnen es uns vorstellen können. Und für viele gilt außerdem das bekannte Wort des Philosophen:  "Worüber man nicht reden kann, darüber soll man schweigen." 

Der weise Mensch sieht die Einheit der Schöpfung  hinter allem Trennenden. Wir wissen, dass alles, was wir sagen und mit Worten ausdrücken können, nur Symbole sind, Chiffren, Annäherungen unseres Denkens an das Göttliche, die Kraft und das Wesen in allem Leben. Wir alle sind Kinder des einen großen Seins.

Viele Wege führen zum Göttlichen. Und wer einen der vielen Wege gehen will, ist dankbar über lebens- und friedens-fördernde Gebete und Texte. Denn:  Für viele Menschen ist es  erleichternd und hilfreich, wenn sie sich dem Göttlichen im Gespräch nähern können, wenn man zu ihm "Du" sagen kann. Auch wenn uns bewusst ist, dass dies nur eine Annäherung, ein unvollkommenes menschliches Tun ist.

Was ist Gebet? Was ist Ritual?  -   Das Wort Gebet kommt aus dem althochdeutschen 'gibet' und bedeutet Bitte, Fürbitte. Heute meinen wir damit das Sprechen  des Menschen mit Gott oder dem Göttlichen und Heiligen, als Lob, Bitte und Dank.  Das Wort Ritual kommt  aus dem lateinischen Wort 'ritus' = Brauch, Sitte, sowie  'ritualis' = die alten, heiligen Gebräuche betreffend. Für Sprachforscher geht das Wort noch weiter zurück auf das indische 'rita' = Recht, richtiges Tun. Ritual bedeutet also Brauch, Zeremonie, Gewohnheit, Art, hergebrachte Art und Weise. Rituale sind feste Verhaltensweisen, weltliche als auch religiöse Gebräuche.

Die Rituale des modernen Menschen  sind meist wort-orientiert. Das war nicht immer so. Rituale waren früher in einer magischen Weltsicht bestimmt von sehr vielen weiteren Bestandteilen: Körpersprache, Gebärden und Gesten, Tanz und Musik,  Gewänder, Geräte, Gegenstände wie Wasser, Weihrauch, Kerzen etc. -  Der moderne Mensch kann mit vielen dieser Zeichen nicht mehr viel anfangen. Wir fühlen uns stärker als frühere Generationen der  nüchternen Ratio, dem Verstand, verpflichtet. Wenn wir zu bestimmten Feiern Rituale pflegen, wie z.B. bei Geburt, bei einer Eheschließung oder  Trauerfeier, dann haben wir oft nur noch zwei Säulen: Die Rede und die Musik. Die Musik spricht dabei das Gefühl an, die Worte  den Geist. 

Rede und Musik gehören auch heute noch fest zu unseren Feiern. Das Gebet ist seltener geworden. Kein Wunder, denn in einer globalen und multikulturellen Gesellschaft verlieren wir nach und nach den Fundus an gemeinsamen Gebeten einer Region, und viele frühere Gebete eignen sich nicht immer gut für ein zeitgemäßes Ritual. Denn: Das Ritual muss im Einklang sein mit unserer Ratio.   Und es soll im Einklang sein mit einer Welt, in der sich die Anhänger der verschiedenen Religionen  und Konfessionen die Hände reichen…  Hier soll diese Sammlung helfen: Eine Sammlung von Gebeten, die unserem Anspruch an Rationalität und ökumenischen, globalen Bewusstsein entgegenkommt.

Wir genießen es heute, dass wir viele Wege gehen können: Alte Texte, moderne Texte, Bewährtes, Neues, Freude am Traditionellen und Freude am Neuen. Und das ist gut so. Wir fühlen uns heute nicht mehr abhängig von der exakten Wortwahl einer Segens-Formel. Wir schätzen es, wenn wir nicht immer nur Worte hören, die auswendig und lehrformelhaft heruntergespult werden, sondern direkt aus dem Herzen kommen. Die althergebrachte und festgelegte Formel ist ehrwürdig, aber nicht immer verständlich. Und dennoch  spüren wir, wie gut es tut, wenn wir auch altehrwürdige oder poetische Texte verwenden können,  die ein weiter Geist einmal formuliert hat, und die in den Schatz der Menschheitsfamilie eingegangen sind. 

Ein freier Mensch bejaht den Geist und die Sprache der Freiheit. Dazu gehört auch eine Sprache, die unsere Mitbrüder und Mitschwestern aus anderen  Religionen und Weltanschauungen nicht vor den Kopf stößt.  Rituale und ihre Texte sollen verbinden, nicht trennen. 

Religiöse und spirituelle Vielfalt ist für die meisten heutigen Menschen kein Problem, sondern ein Segen. Gottes Garten ist keine Monokultur, sondern bunt und farbig und schön. Freuen wir uns daran! Experimentieren wir mit einem Ritual, das viele Sprachen spricht: Gebet und Musik, das Hörbare und das Stille, das Alte und das Neue, das vorformulierte und das freie Wort. Mögen unsere Gebete beitragen zu mehr Frieden in der Welt! 

Wenn Sie selber einen Text beitragen wollen, schicken Sie ihn per Post oder Email. Wir sind dankbar dafür. Die Sammlung wird laufend ergänzt. 

Wir versuchen eine verantwortungsvolle End-Redaktion. So hoffen wir, dass eine schöne Sammlung entsteht von wertvollen Gebeten und Texten, die vielen Menschen aus dem Herzen sprechen. Freude und  Segen beim Suchen und Finden! 

 

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Gebete und Texte

 

Möge das unendliche und unnennbare Wesen,

welches für die Christen „unser Vater“ ist,

Jehova für die Juden,

Allah für die Moslems,

Buddha für die Buddhisten,

Brahma für die Hindus,

das wir als Gott anerkennen,

- möge dieses Wesen Frieden geben

und unsere Herzen in geistiger Bruderschaft vereinen.


nach Vivekananda (1862 -1902)
 


Gebet der Vereinten Nationen
 

Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall.

An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen,

dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden,

nicht von Hunger und Furcht gequält,

nicht zerrissen in sinnlose Trennung

nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung.

Gib uns Mut und die Voraussicht,

schon heute mit diesem Werk zu beginnen,

damit unser Kinder und Kindeskinder einst

mit Stolz den Namen Menschen tragen können.

 

 

Vorschläge für Anfangs-Formulierungen:

 

Wir erheben unsere Herzen,

und sprechen mit Gott, 

mit der Kraft, aus der Leben und Liebe kommt, 

zu dem Grund, aus dem wir leben und sind...

Gott, unser Leben, ...

Gott, unser Leben und unser Licht...

Gott, unser Leben und unsere Liebe...

Gott, unser Leben, unsere Liebe, unsere Kraft und Freude...

Gott,  der Du die Liebe bist,  unser Leben und unser Licht....

Wir erheben unsere Herzen zu Gott,

zu dem Grund, aus dem wir leben und sind,

in dem alles Leben und alle Liebe ist... 
 

Vorschläge für Schluss-Formulierungen:

 

Amen.

Dank sei Gott.

Darum bitten wir.

Dies ist mein Wunsch und mein Gebet.

Dies ist unser Wunsch und unser Gebet.

Darum bitten wir in Gott, unserem Licht und unserem Leben.

... durch Jesus Christus,

    unseren Bruder, der uns gezeigt hat, wie man leben kann,

    und der uns gezeigt hat, wie man lieben kann.

Es segne uns Gott,

Schöpfer, Anfang und Ende.

Er schenke uns ein erfülltes Leben.

Es segne uns Gott

durch Jesus Christus, unseren Menschenbruder,

Er sei uns nahe mit seiner Liebe.

Es segne uns Gott

mit seinem heiligen Geist.

Er ermutige uns zu einem Leben in der Tat und in der Liebe.

Amen.

 

Die Seligpreisungen der Bergpredigt

 

Diese Sätze sind das Kernstück der Bergpredigt des Jesus von Nazareth, niedergeschrieben in Matthäus 5, 3-12 etwa 80 – 100 n.Chr. Diese Worte stellen die bisherige, "normale" Ordnung des Lebens auf den Kopf.  Es ist eine Botschaft des radikalen Friedens. Sie provozieren uns, lassen uns nachdenken: Kann man so wirklich leben? Ist es nicht eine reine Utopie? Eine Idealvorstellung des Lebens? Ist nicht der, der danach lebt, nicht letztlich der Dumme? – Aber es gibt immer wieder Menschen, die sich von dieser Botschaft inspirieren lassen,  und die damit mehr erreicht haben als mit Macht und Gewalt.

 

Selig,  die arm sind vor Gott,

denn ihnen gehört das Himmelreich.

Selig die Trauernden.

Denn sie werden getröstet werden.

Selig, die keine Gewalt anwenden.

Sie werden das Land bekommen.

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit.

Sie werden satt werden.

Selig die Barmherzigen.

Sie werden Erbarmen finden.

Selig, die ein reines Herz haben.

Sie werden Gott schauen.

Selig, die Frieden stiften.

Sie werden Kinder Gottes genannt werden.

Selig, die um der Gerechtigkeit willen leiden müssen.

Ihnen gehört das Himmelreich.

 

 

Hohes Lied der Liebe

nach Paulus im Brief an die Korinther.
 

 

Strebt nach hohen Gnadengaben.

Aber ich zeige Euch noch einen anderen Weg, der alles übersteigt:

die Kraft der Liebe:

Wenn ich in allen Sprachen der Menschen und Engel redete,

hätte aber die Liebe nicht,

wäre ich nichts als dröhnendes Erz und lärmende Pauke.

Könnte ich prophetisch reden,

und hätte die Liebe nicht, wäre ich nichts.

Wüsste ich alle Geheimnisse der Welt  und hätte alle Erkenntnis,

und hätte die Liebe nicht, wäre ich nichts.

Hätte ich einen Glauben, der Berge versetzt,

und hätte die Liebe nicht, wäre ich nichts.

Verschenkte ich all meine Habe,

und hätte die Liebe nicht, wäre ich nichts.

Die Liebe ist langmütig.

Die Liebe ist gütig.

Sie eifert nicht und prahlt nicht.

Sie bläht sich nicht auf.

Sie sucht nicht ihren Vorteil.

Sie trägt nicht nach.

Sie freut sich an der Wahrheit.

Sie erträgt, glaubt, hofft.

Die Liebe hört niemals auf.

Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe,

doch am größten ist die Liebe.

 

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Alles hat seine Zeit.


Ein jegliches hat seine Zeit,

und alles Vorhaben unter dem Himmel

hat seine Stunde:

geboren werden hat seine Zeit;

sterben hat seine Zeit;

pflanzen hat seine Zeit;

ernten hat seine Zeit;

heilen hat seine Zeit;

bauen hat seine Zeit;

abbrechen hat seine Zeit;

weinen hat seine Zeit;

lachen hat seine Zeit;

klagen hat seine Zeit;

tanzen hat seine Zeit;

Steine sammeln hat seine Zeit;

Steine wegwerfen hat seine Zeit;

herzen hat seine Zeit;

aufhören zu herzen hat seine Zeit;

suchen hat seine Zeit;

verlieren hat seine Zeit;

behalten hat seine Zeit;

weggeben hat seine Zeit;

zunähen hat seine Zeit;

zerreißen hat seine Zeit:

reden hat seine Zeit;

schweigen hat seine Zeit;

lieben hat seine Zeit;

Streit hat seine Zeit;

Friede hat seine Zeit…

 

 

aus dem Alten Testament

Prediger Salomon 

 

Der Sinn

 

Der SINN, den man ersinnen kann,

ist nicht der ewige SINN.

Der Name, den man nennen kann,

ist nicht der ewige Name.

Jenseits des Nennbaren liegt der Anfang der Welt.

Diesseits des Nennbaren liegt die Geburt der Geschöpfe.

Darum führt das Streben nach dem Ewigen und  Jenseitigen

zum Schauen der ewigen Kräfte,

das Streben nach dem Ewigen und Diesseitigen

zum Schauen des ewigen Raumes.

Beides hat Einen Ursprung und nur verschiedene Namen.

Diese Einheit ist das Große Geheimnis.

Und des Geheimnisses noch tieferes Geheimnis:

Das ist die Pforte der Offenbarwerdung aller Kräfte.

 

Laotse

 

Sonnengesang des Hl. Franziskus
 

 

Höchster, allmächtiger, guter Gott!

Dein sind Lob, Ruhm, Ehre und Preis!

Gelobt seist Du, mein Gott, ob all Deiner Geschöpfe!

Vor allem wegen unseres wunderbaren Bruders Sonne!

Er lässt es Tag werden,  und er erleuchtet ihn durch sein Licht!

Schön ist er, strahlend und glänzend!

Und er ist uns Dein Symbol.

Gelobt seist Du, Gott, ob unserer Schwestern Mond und Sterne,

die am Himmel stehen, hell und schön!

Gelobt sei Gott  ob  unseres  Bruders  Wind,

der Luft, der Wolke, des heiteren Himmels, der Jahreszeiten,

die allen Geschöpfen Nahrung schenken.

Gelobt sei Gott ob unserer Schwester Wasser,

so wertvoll, bescheiden, kostbar und rein.

Gelobt sei mein Gott ob unseres Bruders Feuer,

durch den er die Nacht erleuchtet, rot, gold und heiß.

Gelobt sei mein Gott ob unserer Mutter Erde,

die uns ernährt und erhält,

die so vielerlei Früchte wachsen lässt

und Kräuter und bunte Blumen.

Gelobt sei mein Gott ob all derer,

die Kränkungen vergeben können  - aus Liebe,

und die geduldig ertragen Krankheit und Bedrängnis.

Selig, die in Frieden leben!

Sie werden von Dir gekrönt!

Sei gelobt, Gott, ob unserer Bruders, dem Tod.

Keiner  kann ihm ausweichen.

Selig die, die sich im Tode eins wissen mit Dir, o Gott.

Dann kann ihnen der Tod nichts anhaben.

Lobet und preiset  und sagt Dank, alle Geschöpfe, 

lebt und dient unserem Gott in Dankbarkeit!




 

Gott, unser Licht und unser Leben

du bist in uns und außer uns,

du bist größer als wir,

und wir sind ein Teil von Dir,

laß uns in dir sein,

sende uns dein Licht,

schenke uns deine Kraft,

laß sie in uns wirken

durch Liebe und Güte und Frieden,

damit wir dich auf diese Weise

loben und preisen in Ewigkeit.


 

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Ora et labora     -     amare est orare


An meine Lieben denken – in Liebe - ist Gebet.

Für meine Lieben kochen ist Gebet,

für sie zimmern, für sie bügeln,

Blumen gießen ist Gebet.

Sich am Leben freuen ist Gebet.

Tanzen ist Gebet und Liebe ist Gebet.

In Liebe stille sitzen ist Gebet,

In des Lebens Fülle oder in der Stille

Das Göttliche zu sehen ist Gebet.

 

 

Der mich atmen lässt

 

Der mich atmen lässt, bist Du, lebendiger Gott.

Der mich leben lässt, bist Du lebendiger Gott.

Der mich schweigen lässt, bist Du, lebendiger Gott.

Der mich reden lässt, bist Du, lebendiger Gott.

Der mich beten lässt, bist Du, lebendiger Gott.

Der mich preisen lässt, bist Du, lebendiger Gott.

Der mich bergend hält, bist Du, lebendiger Gott.

Der mich atmen lässt, bist Du, lebendiger Gott.

 

Der mir Freude schenkt, bist Du, lebendiger Gott.

Der mir Freiheit schenkt, bist Du, lebendiger Gott.

Der mir Leben schenkt, bist Du, lebendiger Gott.

Der mir Atem schenkt, bist Du, lebendiger Gott.

 

Der mich pflanzen lässt, bist Du, lebendiger Gott.

Der mich wachsen lässt, bist Du, lebendiger Gott.

Der mich reifen lässt, bist Du, lebendiger Gott.

Der mich atmen lässt,  bist Du, lebendiger Gott.

 

Der mich glauben lässt, bist Du, lebendiger Gott.

Der mich hoffen lässt, bist Du, lebendiger Gott.

Der mich lieben lässt, bist Du, lebendiger Gott.

Der mich atmen lässt, bist Du, lebendiger Gott.


 

Gott  unser Leben

 

Grund alles Seins

unendlich größer als alles

was wir reden und denken können

über Dich

unser Denken reicht nicht aus

Dich zu begreifen

unsere Sprache reicht nicht aus

von Dir zu reden

und doch

können wir Dich Vater nennen

und Mutter

denn wir leben aus Dir und in Dir

und können in Dir geborgen sein

wir leben in Dir

und Du lebst in uns

Deine Kraft lebt in uns und mit uns

Deine Liebe liebt in uns und mit uns

und Du leidest in uns und mit uns

lass uns so leben

dass wir Deine Kraft spüren

und dass sie in uns lebendig wird

in Liebe und Leid

lass uns so leben

dass wir Deine Liebe spüren

und dass wir Liebe weitertragen.

Amen.

 

 

Großes Sein,

unermeßliches, gewaltiges, mächtiges, göttliches Sein

Du bist unendlich  stark und wild, groß und grausam

in der Kraft deiner Welten und Sonnen und Sterne

Deiner Himmel und Meere

Deiner Wirbelstürme und Wogen

Deiner Tiere, die sich jagen und fressen

Du bist zart und freundlich und friedfertig

in allem was sich regt

an Zuneigung, Zärtlichkeit

Freundschaft und Liebe

unter allen Wesen

Du bist es, das in uns Menschen wirkt 

als starke Kraft

die zerstören kann, verwunden, foltern und töten

Du bist es, das in uns Menschen wirkt

als starke Kraft

die lieben kann, gut sein kann, helfen will

sich freuen kann, glücklich sein kann

Großes, unermeßliches, gewaltiges Sein

Gib,  dass wir die Kraft des Gutseins

des Wohlwollens, des Hoffens und Liebens

in uns  m e h r  spüren

als die Kräfte der Zerstörung und des Bösen

dass wir Deine Kräfte nützen können

und in uns wirksam werden lassen

zum Segen für diese unsere Welt

für unsere Mitwesen

und für unsere Mitmenschen

in denen Du Dich uns zeigst

damit sie menschlicher  werde

friedlicher, freundlicher, glücklicher, göttlicher

Dir und uns zum Segen

Laß uns Not und Elend wenden

Laß und Hilfe und Frieden spenden.    Amen.

 

 

 

Gott finden in der Liebe
 

Das, was wir als Höchstes kennen,

das, was wir mit „Gott“ benennen,

das fühle ich in meinem Herzen,

tief in Freuden, tief in Schmerzen.

Kein Wort, kein Name kann´s ergründen.

Doch ich kann´s in Güte und in Liebe finden !

 


Matthias Claudius   -  Brief an seinen Sohn


Der Dichter Matthias Claudius (1740 –1815) schrieb am Ende eines entbehrungsreichen Lebens diesen ergreifenden Abschiedsbrief an seinen Sohn.

 

Lieber Sohn,

Die Zeit kommt allgemach heran, dass ich den Weg gehen muss, den man nicht wieder kömmt. Ich kann Dich nicht mitnehmen, und ich lasse Dich in einer Welt zurück, wo guter Rat nicht überflüssig ist.  Ich habe die Welt länger gesehen als Du. Es ist nicht alles Gold, was glänzet. Ich habe manchen Stern vom Himmel fallen sehen, und manchen Stab brechen sehen, auf den man sich verließ. Darum will ich Dir Rat geben und Dir sagen, was ich gefunden habe, und was die Zeit mich gelehrt hat. Es ist nichts groß, was nicht gut ist. Der Mensch ist hier nicht zu Hause. Diese Welt ist für ihn zu wenig, und die unsichtbare siehet er nicht und kennet sie nicht. Spare Dir denn vergebliche Mühe, tue Dir kein Leid und besinne Dich. Halte Dich zu gut, Böses zu tun. Hänge Dein Herz an kein vergänglich Ding. Die Wahrheit richtet sich nicht nach uns, sondern wir müssen uns nach ihr richten. Was Du sehen kannst, das siehe, und brauche Deine Augen. Und über das Unsichtbare und Ewige halte Dich an Gottes Wort. Lerne gerne von anderen, und wo Du von Weisheit, Menschenglück Licht, Freiheit, Tugend etc. geredet wird, da höre zu. Doch traue nicht jedem. Denn nicht alle Wolken geben Wasser. Worte sind nur Worte. Wo sie gar leicht und behende über die Lippen gehen, da sei auf der Hut. Denn die Pferde, die den Wagen mit Gütern hinter sich haben, gehen langsameren Schrittes. Erwarte nichts vom Treiben und den Treibern. Wo viel Geräusch auf den Gassen ist, da gehe Deines Wegs. Wenn Dich jemand will Weisheit lehren, da siehe in sein Angesicht. Dünket er sich, und sei er noch so gelehrt und berühmt, so lass ihn.  Was einer nicht hat, kann er auch nicht geben. Der ist nicht frei, der tut, was er will, sondern der ist frei, der wollen kann, was er tun soll. Der ist nicht weise, der sich weise dünket, sondern der ist weise, der sich seiner Grenzen inne geworden ist. Denke oft an heilige und gute Dinge. Sei gewiss, dass es Dir zum Vorteile ist. Verachte keine Religion. Tue das Gute vor Dich hin, und kümmere Dich nicht, was daraus werden wird. Sorge für Deinen Leib, doch nicht so, als wenn es Deine Seele wäre. Sei rechtschaffen gegen jedermann. Rede nicht nach dem Mund, und lass Dir nicht nach dem Mund reden. Werde niemand nichts schuldig. Sei zuvorkommend. Wolle nicht immer großmütig sein, aber gerecht sei immer. Hilf und gib gerne, wenn Du hast. Und wenn Du nicht hast, so habe doch den Trunk kalten Wassers zur Hand. Sage nicht alles, was du weißt, aber wisse immer, was du sagest. Hänge Dich an keinen Großen. Nicht die frömmelnden, aber die frommen Menschen achte. Ein Mensch, der wahre Gottesliebe im Herzen hat, ist wie die Sonne, die da scheint und wärmt. Tue was des Lohnes wert ist. Wenn du Not hast, so klage sie Dir und keinem andern. Habe immer etwas Gutes im Sinn. Wenn ich gestorben bin, so drücke mir die Augen zu und beweine mich nicht. Stehe Deiner Mutter bei und ehre sie so lange sie lebt. Sinne täglich nach über das rechte Leben. Habe einen freudigen Mut.   Dein treuer Vater

 

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Sonnengesang des Hl. Franziskus

 

Höchster, allmächtiger, guter Gott!

Dein sind Lob, Ruhm, Ehre und Preis!

Gelobt seist Du, mein Gott, ob all Deiner Geschöpfe!

Vor allem wegen unseres wunderbaren Bruders Sonne!

Er lässt es Tag werden,  und er erleuchtet ihn durch sein Licht!

Schön ist er, strahlend und glänzend!

Und er ist uns Dein Symbol.

Gelobt seist Du, Gott, ob unserer Schwestern Mond und Sterne,

die am Himmel stehen, hell und schön!

Gelobt sei Gott  ob  unseres  Bruders  Wind,

der Luft, der Wolke, des heiteren Himmels, der Jahreszeiten,

die allen Geschöpfen Nahrung schenken.

Gelobt sei Gott ob unserer Schwester Wasser,

so wertvoll, bescheiden, kostbar und rein.

Gelobt sei mein Gott ob unseres Bruders Feuer,

durch den er die Nacht erleuchtet, rot, gold und heiß.

Gelobt sei mein Gott ob unserer Mutter Erde,

die uns ernährt und erhält,

die so vielerlei Früchte wachsen lässt

und Kräuter und bunte Blumen.

Gelobt sei mein Gott ob all derer,

die Kränkungen vergeben können  - aus Liebe,

und die geduldig ertragen Krankheit und Bedrängnis.

Selig, die in Frieden leben!

Sie werden von Dir gekrönt!

Sei gelobt, Gott, ob unserer Bruders, dem Tod.

Keiner  kann ihm ausweichen.

Selig die, die sich im Tode eins wissen mit Dir, o Gott.

Dann kann ihnen der Tod nichts anhaben.

Lobet und preiset  und sagt Dank, alle Geschöpfe, 

lebt und dient unserem Gott in Dankbarkeit!

 

 

Die Lebensregel von Baltimore
 

In der  "St.Paul's Church, Baltimore, founded 1692" lag dieser schöne Text auf. Dies führte zu Missverständnissen bezüglich Alter und Herkunft der Zeilen.  Der Text stammt von Max Ehrmann (1872-1945), ein Enkel deutscher Auswanderer. Er hatte Philosophie und Jura studiert und lebte als Jurist und Schriftsteller in den USA.
 

Gehe deinen Weg gelassen im Lärm und in der Hektik dieser Zeit.

Und behalte den Frieden im Sinn, der in der Stille wohnt.

Bemühe dich, mit allen Menschen auszukommen,

soweit dies möglich ist, ohne dich selbst aufzugeben.

Sprich das, was du als wahr erkannt hast, gelassen und klar aus.

Höre anderen Menschen zu, auch den Langweiligen und Unwissenden,

denn auch sie können dich etwas lehren.

Meide aufdringliche und aggressive Menschen,

denn sie sind ein Ärgernis für den Geist.

Vergleiche dich nicht mit anderen, damit du nicht eitel oder bitter wirst;

denn es wird immer Menschen geben,  

die größer sind als du, und Menschen, die geringer sind.

Erfreue dich an dem, was du erreicht hast,  wie auch an deinen Plänen.

Bleibe an deinem beruflichen Fortkommen interessiert,

wie bescheiden es auch sein mag;

es ist ein echter Besitz in den Wechselfällen der Zeit.

Sei vorsichtig in deinen geschäftlichen Angelegenheiten,

denn die Welt ist voller Trug.

Lass dich jedoch dadurch nicht blind machen für die Tugend, die dir begegnet.

Viele Menschen haben hohe Ideale, und wo du auch hinsiehst,

ereignet sich im Leben Heldenhaftes.

Sei du selbst, und, was ganz wichtig ist, täusche keine Zuneigung vor.

Hüte dich davor, der Liebe zynisch zu begegnen.

Denn trotz aller Enttäuschungen ist sie beständig wie das Gras.

Nimm den Rat, den dir die Lebensjahre geben, freundlich an.

Und lass mit Würde ab von dem, was zur Jugendzeit gehört.

Stärke die Kraft deines Geistes, so dass sie dich schützt,

wenn ein Schicksalsschlag dich trifft.

Doch halte deine Phantasie im Zaum, damit sie dich nicht in Sorge versetzt.

Viele Ängste wurzeln in Erschöpfung und Einsamkeit.

Übe gute Selbstdisziplin.

Doch vor allem: Sei gut zu dir.

Du bist ein Kind des Universums,nicht weniger als die Bäume und die Sterne.

Du hast ein Recht, da zu sein.

Und ob es dir nun bewusst ist oder nicht:

Ganz sicher entfaltet sich das Universum so, wie es ihm bestimmt ist.

Lebe daher in Frieden mit Gott, wie auch immer du ihn dir vorstellst.

Und worauf du deine Anstrengungen auch richtest,

was es auch ist, das du erstrebst im lärmenden Durcheinander des Lebens:

Sei mit dir selbst im Reinen.

Trotz allen Trugs, aller Mühsal und aller zerbrochenen Träume

ist die Welt doch wunderschön.

Sei heiter. Strebe danach, glücklich zu sein.


 

Haus-Segen
 

Irisches Gebet um Freude im Haus und in der Küche
 

Ich liebe meine kleine Küche, Herr,

und jeden Winkel und Topf.

Darum segne mich und all mein Tun,

wenn ich koche für meine Lieben

und wenn ich Schüsseln wasche.

Von oben her würze die Mahlzeit hier auf meinem Herd

mit Segen und Freundlichkeit

und vor allem mit Liebe.

Die Nahrung, die die Erde gibt,

der Tisch, den du uns deckst,

wir danken dir für alles.

Hier ist meine Küche,

und alle, die eintreten,

mögen ein frohes Herz darin finden

und Frieden und Glück.



Gebet um den inneren Frieden

 

Den tiefen Frieden

im Rauschen der Wellen

wünsche ich dir.

Den tiefen Frieden im schmeichelnden Wind

wünsche ich dir.

Den tiefen Frieden über dem stillen Land

wünsche ich dir.

Den tiefen Frieden vom Gott des Friedens

wünsche ich dir.

Bitte um  Kraft und Weisheit  - Irisches Gebet

Gottes Macht halte uns  aufrecht.

Gottes Weisheit leite uns.

Gottes Auge schaue auf uns.

Gottes Ohr höre uns.Gottes Wort spreche zu uns und durch uns.

Gottes Hand bewahre uns vor dem Bösen.

 

 

Nimm dir Zeit    -   Irisches Gebet
 

Nimm dir Zeit für die Arbeit.

Es ist der Preis für den Erfolg.

Nimm dir Zeit zum Nachdenken.

Es ist eine Quelle der Kraft.

Nimm  dir Zeit zum Spielen.

Das ist das Geheimnis der Jugend.

Nimm dir Zeit zum lesen.

Es ist eine unerschöpfliche Quelle zum Weiterlernen.

Nimm dir Zeit, freundlich zu sein.

Das ist der Weg zum Glück.

Nimm dir Zeit zum Träumen.

Das trägt Dein Herz zu den Sternen.

Nimm Dir Zeit zu lieben und zum geliebt werden.

Das bringt Dich Gott nahe.

Nimm dir Zeit zum Lachen.

Es  ist Musik der Seele.

Nimm dir Zeit für den Augenblick.

Alle deine Augenblicke sind kostbar.

 


Vermächtnis     

 

(Johann Wolfgang v. Goethe schrieb dieses Gedicht

als 80-jähriger im Jahre 1829.)
 

Kein Wesen kann zu Nichts verfallen!

Das Ew'ge regt sich fort in allen.

Am Sein erhalte dich beglückt!

Das Sein ist ewig, denn Gesetze

Bewahren die lebend'gen Schätze,

Aus welchen sich das All geschmückt ...

Das alte Wahre, fass es an!

Verdank es, Erdensohn, dem Weisen,

Der ihr die Sonne zu umkreisen,

Und dem Geschwister wies die Bahn ...

Genieße mäßig Füll und Segen!

Vernunft sei überall zugegen,

Wo Leben sich des Lebens freut!

Dann ist Vergangenheit beständig,

Das Künftige voraus lebendig,

Der Augenblick ist Ewigkeit!

 



Alles hat seine Zeit
 

Ich wünsche Dir nicht alle möglichen Gaben.

Ich wünsche Dir nur, was die meisten nicht haben:

Ich wünsche Dir Zeit Dich zu freuen und zu lachen,

und wenn Du sie nicht nützt, kannst Du etwas daraus machen.

 

Ich wünsche Dir Zeit für Dein Tun und Dein Denken,

nicht nur für Dich selbst, sondern auch zum Verschenken.

Ich wünsche Dir Zeit, nicht zum Hasten und Rennen,

sondern Zeit zum Zufrieden sein können.

 

Ich wünsche Dir Zeit, nicht nur so zum Vertreiben.

Ich wünsche, sie möge Dir übrigbleiben,

als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertrauen,

anstatt nach der Zeit auf die Uhr nur zu schauen.

 

Ich wünsche Dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,

und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.

Ich wünsche Dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.

Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

 

Ich wünsche Dir Zeit zu Dir selbst zu finden.

Jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.

Ich wünsche Dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.

Ich wünsche Dir Zeit: Zeit zu haben zum Leben!

 

Elli Michler


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Stufen
 

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe

bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

in andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

 

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,

an keinem wie an einer Heimat hängen,

der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

er will uns Stuf` um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise

und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;

nur wer bereit zum Aufbruch ist und Reise,

mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

 

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde

uns neuen Räumen jung entgegen senden,

des Lebens Ruf an uns wird niemals enden ...

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

 

Hermann Hesse

 


Wie ich dir begegnen möchte

 

Ich möchte dich lieben, ohne dich einzuengen,

dich wertschätzen, ohne dich zu bewerten,

dich ernst nehmen, ohne dich auf etwas festzulegen,

zu dir kommen, ohne mich dir aufzudrängen,

dich einladen, ohne Forderungen an dich zu stellen,

dir etwas schenken, ohne Erwartungen daran zu knüpfen,

mich von dir verabschieden,

ohne Wesentliches versäumt zu haben,

dir meine Gefühle mitteilen,

ohne dich dafür verantwortlich zu machen,

dich informieren, ohne dich zu belehren,

dir helfen, ohne dich zu beleidigen,

mich um dich kümmern, ohne dich verändern zu wollen,

mich an dir freuen - so wie du bist.


 

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
 

Es sind die Söhne und Töchter

von des Lebens Verlangen nach sich selber.

Sie kommen durch euch, doch nicht von euch.

Und sind sie auch bei euch, so gehören sie euch doch nicht.

Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, doch nicht eure Gedanken.

Denn sie haben ihre eignen Gedanken.

Ihr dürft ihren Leib behausen, doch nicht ihre Seele.

Denn ihre Seele wohnt im Hause von Morgen,

das ihr nicht zu betreten vermöget, selbst nicht in euren Träumen.

Ihr dürft euch bestreben, ihnen gleich zu werden,

doch suchet nicht, sie euch gleich zu machen.

Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilet es beim Gestern.

Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile entsandt werden.

Der Schütze sieht das Zeichen auf dem Pfade der Unendlichkeit,

und Er biegt euch mit Seiner Macht,

auf dass die Pfeile schnell und weit fliegen.

Möge das Biegen in des Schützen Hand euch zur Freude gereichen.

Denn gleich wie Er den fliegenden Pfeil liebet, so liebt Er auch den Bogen…


Khalil Gibran

 

 

Ich bin ich.

Nirgendwo auf der Welt gibt es jemanden, der genauso ist wie ich.

Einige Menschen sind mir zwar in einigen Einzelheiten ähnlich,

aber niemand ist so wie ich.

Nirgends auf der Welt gibt es jemanden, der genau so ist, wie ich.

Deswegen gehört alles, was ich tue, zu mir; alles an mir gehört zu mir:

Mein Körper und alles, was er tut.

Mein Geist mit all seinen Gedanken und Ideen.

Mein Mund und alle Worte, die er spricht, höfliche, harte oder liebe,

falsche oder wahre.

Meine Augen gehören zu mir mit allen Bildern,

die sie jetzt oder irgendwann gesehen haben, meine Phantasien, meine Träume,

meine Hoffnungen, meine Ängste, meine Triumphe, meine Erfolge,

meine Niederlagen und meine Fehler.

Ich weiß von Seiten an mir, die mich verwirren,

und ich weiß, dass ich Seiten habe, die ich noch gar nicht kenne.

Solange ich aber liebevoll und geduldig mit mir bin,

kann ich voller Hoffnung darauf warten, dass ich Möglichkeiten finde,

mehr über mich selbst zu erfahren.

Weil das alles zu mir gehört, kann ich mich selbst genau kennen lernen.

Wenn ich das tue, kann ich mich lieben und freundlich sein

zu allen Teilen meiner Person.

Ich habe alles, was ich brauche, um anderen nahe zu sein

und die Welt der Dinge und Menschen um mich herum sinnvoll zu gestalten.

Ich gehöre mir selbst, darum kann ich mich gestalten.

Ich bin ich, und ich bin wertvoll.


Virginia Satir


 

Tu deine Sinne, Deine Seele auf,

Dein Leben ist reich. Achte darauf.

Nimm Dir Zeit, nimm Dir Zeit für Dich,

nimm Dir Zeit, dann erkennst Du Dich.

Lass es los, was Dir Ruhe nimmt,

lass es los, was Dich traurig stimmt.

Hör Dir zu. Such Deinen Ton.

Hör Dir zu, Du verstehst Dich schon.

Schau Dich an und freu Dich an Dir.

Schau Dich an. Du bist zum Guten hier.

Geh in Dich. Setz die Liebe frei.

Sei dankbar, und liebe, und freu Dich dabei.


Anonym

 



Der SINN,

den man ersinnen kann,

ist nicht der ewige SINN.

Der Name, den man nennen kann,

ist nicht der ewige Name.

Jenseits des Nennbaren liegt der Anfang der Welt.

 

Diesseits des Nennbaren liegt die Geburt der Geschöpfe.

Darum führt das Streben nach dem Ewigen und  Jenseitigen

zum Schauen der ewigen Kräfte,

das Streben nach dem Ewigen und Diesseitigen

zum Schauen des ewigen Raumes.

 

Beides hat Einen Ursprung und nur verschiedene Namen.

Diese Einheit ist das Große Geheimnis.

Und des Geheimnisses noch tieferes Geheimnis:

Das ist die Pforte der Offenbarwerdung aller Kräfte.

 

Laotse
 

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Geliebte, wenn mein Geist geschieden,


Geliebte, wenn  mein Geist geschieden,

so weint mir keine Träne nach;

Denn, wo ich weile, dort ist Frieden,

Dort leuchtet mir ein ewiger Tag.

 

Wo aller Erdengram verschwunden

Soll euer Bild mir nicht vergehn,

Und Linderung  für Eure Wunden,

Für Euren Schmerz  will ich erflehn.

 

Weht nächtlich seine Seraphsflügel

Der Friede übers Weltenreich,

so denkt nicht mehr an meinen Hügel,

Denn von den Sternen grüß ich Euch!

 

Annette von Droste-Hülshoff     

 

 


Ich bin nicht in diesem Grab

 

Ich bin nicht in diesem Grab.

Ich bin die tausend Winde, die wehen.

Ich bin das Rauschen der Blätter im Abendwind.

Ich bin der Diamant, der glitzert im Schnee.

Ich bin das Sonnenlicht auf dem reifen Korn

Ich bin das Blau des Himmels.

Ich bin der sanfte Regen im Herbst,

wenn du aufwachst in morgendlicher Stille.

Ich bin das Rauschen der Flügel

von kreisenden Vögeln in Freiheit.

Ich bin der Regenbogen,

den du siehst, aber nicht greifen kannst.

Ich bin verbunden mit Dir und denen,

die mich im Herzen tragen.

Ich bin die  Tiefe und Weite des Meeres.

Ich bin der funkelnde Stern in der Nacht.

Ich bin der Samen unserer Blumen, die ich so sehr liebe.

Ich bin  nicht für immer fort. Ich komme wieder.

Ich will Dir, der Welt, dem Leben,

immer wieder begegnen, frisch und neu.

Wenn Du an mich denkst, bin ich bei dir.

Vielleicht gelingt es Dir, mich zu spüren.

Ich bin nicht in diesem Grab. Ich lebe.

Ich bin dort, wo man an mich denkt. 


Do not stand at my grave and weep,
I am not there,
I do not sleep.
I am in a thousand winds that blow,
I am the softly falling snow.
I am the gentle showers of rain,
I am the fields of ripening grain.
I am in the morning hush,
I am in the graceful rush
Of beautiful birds in circling flight,
I am the starshine of the night.
I am in the flowers that bloom,
I am in a quiet room.
I am in the birds that sing,
I am in each lovely thing.
Do not stand at my grave and cry,
I am not there.
I did not die.

Mary Elizabeth Frye (1904-2004)
 

 

Man kann Tränen vergießen,

weil dieser liebe Mensch von uns gegangen ist.

Man kann auch lächeln und dankbar sein,

weil er mit uns gelebt hat.

Man kann die Augen schließen und wünschen,

dass er wieder kommt,

man kann auch die Augen öffnen

und sehen, was er uns hinterlassen hat.

Das Herz kann leer sein,

weil man ihn nicht mehr sehen kann,

oder das Herz kann voll Liebe sein,

die man miteinander geteilt hat.

Man kann sich vom Morgen abwenden

und nur noch im Gestern leben,

und man kann im Morgen leben

wegen des glücklichen Gestern.

Man kann weinen und sich verschließen,

oder man kann das tun, was er gewollt hätte:

die Augen öffnen, nach vorne sehen,

lieben und weitermachen.




 

Mit Geld kannst du

 

    eine Uhr kaufen,

    aber keine Zeit.

    ein Bett kaufen,

    aber keinen Schlaf.

    ein Buch kaufen,

    aber kein Wissen.

    einen Arzt kaufen,

    aber nicht Gesundheit.

    eine Position kaufen,

    aber nicht Respekt.

    Sex kaufen,

    aber nicht Liebe.

    Blut kaufen,

    aber nicht Leben.

    ein Haus kaufen,

    aber kein Zuhause.


 

Denk-Anstöße
 

Machen wir eine kleine Rechnung auf:

Wir nehmen die Weltbevölkerung von insgesamt ca. 7 Milliarden  Menschen.

Wir reduzieren diese auf  ein 100 Menschen zählendes Dorf.

Dabei behalten wir die Proportionen aller auf der Erde lebenden Völker bei.

Bei dieser Rechnung käme folgendes heraus:

 

Das Dorf würde sich wie folgt zusammensetzen:

57  Asiaten

21  Europäer

14  Amerikaner (Nord-, Zentral-, Südamerikaner)

8  Afrikaner

52  Frauen

48  Männer

30  Weiße

70  Nichtweiße

80   leben in heruntergekommenen Häusern ohne sanitäre Einrichtungen

70  sind Analphabeten 

50  leiden an Unterernährung

30  können lesen und schreiben

25 haben Essen, ein Dach über dem Kopf und einen Platz zum Schlafen

8 haben Geld auf der Bank

6  Personen besitzen 60 Prozent des gesamten Reichtums des Dorfes

    und alle 6 kommen aus den USA

1  hat einen Universitätsabschluss

1  besitzt einen Computer

1  wird gerade geboren

1  ist dabei zu sterben

Wenn wir uns diese Zahlenverhältnisse bewusst machen, merken wir:

Wir können unendlich dankbar sein.


 

Man kann den ganzen Tag unzufrieden sein.

Man kann sich auch den ganzen Tag ärgern.

Aber man ist nicht dazu verpflichtet.


 

Ich wünsche Dir Augen

die die kleinen Dinge des Alltags wahrnehmen

und ins rechte Licht rücken.

Ich wünsche Dir Ohren,

die die Schwingungen und Untertöne

im Gespräch mit anderen aufnehmen.

Ich wünsche Dir Hände,

die nicht lange überlegen,

ob sie helfen und gut sein sollen.

Ich wünsche Dir zur rechten Zeit das richtige Wort.

Ich wünsche Dir ein liebendes Herz,

von dem Du Dich leiten lässt.

Ich wünsche Dir: Freude, Glück, Zuversicht,

Gelassenheit und Demut.

Ich wünsche Dir gute Eigenschaften,

die Dich das werden lassen,

was Du bist und immer wieder werden willst - 

jeden Tag ein wenig mehr.

Ich wünsche Dir genügend Erholung, ausreichend Schlaf

und Arbeit, die Freude macht.

Ich wünsche Dir Menschen die Dich mögen

und bejahen und Dir Mut machen;

aber auch Menschen, die Dich bestätigen,

die Dich anregen, die Dir Vorbild sein können

Ich wünsche Dir viele gute Gedanken und ein Herz,

das überströmt in Freude und diese Freude weiterschenkt.

Dies alles, sowie Gottes Schutz und Segen wünsche ich Dir

für alle Tage Deines Lebens.


 

Gebet eines älter werdenden Menschen


O Herr, du weißt besser als ich,

dass ich von Tag zu Tag älter werde - und eines Tages alt.

Bewahre mich vor der Einbildung,

bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.

Erlöse mich von der großen Leidenschaft,

die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.

Lehre mich, nachdenklich - aber nicht grüblerisch,

hilfreich - aber nicht diktatorisch zu sein.

Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheit

erscheint es mir oft schade, sie nicht weiter zu geben.

Aber du verstehst, o Herr, dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte.

Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten

und verleihe mir Schwingen, zur Pointe zu gelangen.

Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden.

Sie nehmen zu und die Lust, sie zu beschreiben,

wächst von Jahr zu Jahr.

Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen,

mir Krankheitsberichte anderer mit Freude anzuhören,

aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen.

Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann.

Erhalte mich so liebenswert wie möglich.

Ich möchte kein Heiliger sein - mit ihnen lebt es sich so schwer - ,

aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels.

Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken

- und verleihe mir, o Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen.
 

(zugeschrieben unter anderen: Teresa von Avila 1515-1582)

 


Metta-Sutta,  die Lehrrede von der Güte

 

Glück soll  die ganze Welt umfassen.

Ich grüße alles, was da lebt,

Ich möchte Segen regnen lassen

Und Heil, wie jedes es erstrebt.

Ob groß ein Wesen oder klein,

Ob zart, ob machtbegabt, ob schwach,

Es mag ein jedes glücklich sein;

In Luft und Land und tief im Bach.

Ob wir es sehn, ob's uns entgeht,

In fernem Land, vor unsrem Fuß,

Ob's lebt, ob's an der Pforte steht,

Heil sendet ihm der Heiligen Gruß.

Die Mütter schützt das zarte Kind

Mit Leib und Leben opferstill,

So will ich schützen liebgesinnt,

Was immer lebt und leben will.

Es soll der Liebe goldner Strahl

Durchleuchten grenzenlos das All,

und niemals bring des Hasses Stahl

Was lebt und bebt und strebt zu Fall.

Ob wir uns legen, stehn, ob ruhn,

am Herde, auf der Wanderschaft -

Wir wollen unsre Arbeit tun

Mit gütigem Herzen, voller Kraft,

und unabhängig strebend nahn

Wir endlich noch Nirvanas Tür

Und frei von Leid und Sonderwahn

Verlöschen und verwehen wir.

 

(Das Metta-Sutta des Khuddakapatha
 in der Übersetzung v. Bohn W.,
in: Buddh. Monatshefe 1. Jg./1949, 25)
 


 

Morgengebet aus Westafrika
 

Herr, ich werfe mein Freude wie Vögel an den Himmel.

Die Nacht ist verflattert und ich freue mich am Licht.

Deine Sonne hat den Tau weg gebrannt vom Gras

und von unseren Herzen.

Was da aus uns kommt, was da um uns ist

an diesem Morgen, das ist Dank.

Herr, ich bin fröhlich heute am Morgen.

Die Vögel und Engel singen, und ich jubiliere auch.

Das All und unsere Herzen sind offen für deine Gnade.

Ich fühle meinen Körper und danke.

Die Sonne brennt meine Haut, ich danke.

Die Gischt klatscht gegen unser Haus, ich danke.

Herr. ich freu mich an der Schöpfung und dass du dahinter bist

und daneben und davor und darüber und in uns.

Ich freue mich, Herr, ich freue mich und freue mich.

Die Psalmen singen von deiner Liebe, die Propheten verkündigen sie,

und wir erfahren sie: Weihnachten, Ostern,

Pfingsten und Himmelfahrt ist jeder Tag in deiner Gnade.

Herr, ich werfe mein Freude wie Vögel an den Himmel.

Ein neuer Tag, der glitzert und knistert,

knallt und jubiliert von deiner Liebe.

Jeden Tag machst du. Halleluja, Herr! Amen.

Abrahams Morgengebet nach Al-Ghazzali

O Gott, dies ist ein neuer Schöpfungstag.

Lass ihn für mich beginnen mit Gehorsam zu Dir,

und beschließe ihn für mich mit Deiner Vergebung

und Deinem Wohlgefallen.

Gewähre mit an diesem Tage ein gute Tat,

die Du von mir annimmst,

und heilig und vervielfache sie für mich.

Und wenn ich an ihm eine Sünde begehe, so vergib sie mit,

denn Du bist allvergebend, allerbarmend,

liebevoll und großmütig.

 

Wessobrunner Gebet

 

Das erfuhr ich als der Menschen größte Weisheit:

Dass unten die Erde nicht war noch oben der Himmel;

Weder Baum war noch Berg

Nicht schien golden die Sonne

Noch widerglänzte der Mond auf dem herrlichen Meer;

Da kein Anfang noch war von Enden und Wenden,

Da war nur der eine allmächtige Gott,

Den Menschen mildester, und mit ihm viele

Herrliche Geister. Und Gott, der heilige ...

Allmächtiger Gott, der Du schufest Himmel und Erde

Und der Du Menschen so viel Gutes gegeben,

Gib mir in Deiner Gnade rechten Glauben und guten Willen,

Weisheit und Klugheit und Kraft,

das Böse zu meiden und das Gute zu tun.
 

(aus dem 8./9. Jh.)

 

 

 

Wenn ich müde bin

 

Wenn ich müde bin

vom Weg zu den Sternen,

um den Menschen in der Nacht

ein bisschen Licht zu holen,

dann setze ich mich in die Stille

und ich finde Dich, mein Gott.

Dann lausche ich der Quelle

und ich höre Dich

Ganz tief in mir selbst.

Und in allem, was um mich ist,

spüre ich ein großes Geheimnis.

 

Phil Bosmans

 

 

Schenke mir, Herr,

eine gute Verdauung, und auch etwas zum Verdauen!

Schenke mir Gesundheit des Leibes,

mit dem nötigen Sinn dafür,

ihn möglichst gut zu erhalten.

Schenke mir eine heilige Seele, Herr,

die das im Auge behält,

was gut ist und rein.

Schenke mir eine Seele,

der die Langeweile fremd ist,

die kein Murren kennt

und kein Seufzen und Klagen,

und lasse nicht zu,

dass ich mir allzu viel Sorgen mache

um dieses sich breit machende Etwas,

das sich "Ich" nennt.

Herr, schenke mir Sinn für Humor,

gib mir die Gnade,

einen Scherz zu verstehen,

damit ich ein wenig Glück kenne im Leben

und andern davon mitteile. Amen.

 

Thomas Morus

 

 

Wir lieben Dich

O unser Gott,  wir begehren Dich zu lieben

mehr und mehr. Gewähre uns, dass wir Dich so lieben,

wie wir es begehren und wie wir sollen.

O liebster Freund, der Du uns so sehr geliebt und gerettet hast,

Du an den zu denken süß ist und immer süßer wird,

komm und nimm Wohnung in unseren Herzen.

Dann wirst Du wachen über unsere Lippen,

unsere Tritte und unsere Taten,

und wir brauchen fürder nicht zu bangen

für unsere Seelen und unsere Leiber.

Ja, gib uns Liebe, die köstlichste aller Gaben,

die Liebe, die keine Feinde kennt.

Gib uns ins Herz die reine Liebe,

geboren aus Deiner Liebe zu uns,

auf dass wir andere lieben wie Du uns.

O liebevollster Vater, aus dem alle Liebe fließt,

lass unsere Herzen erwärmen

an Deine göttlichen Glut.

So hilf uns, segne uns. Amen.

 

Anselm von Canterbury, 11. Jh.n.Chr.

 

 

 

        • Glück ist gar nicht mal so selten,
          Glück wird überall beschert,
          Vieles kann als Glück uns gelten,
          was das Leben uns so lehrt.

          Glück ist jeder neue Morgen,
          Glück ist bunte Blumenpracht,
          Glück sind Tage ohne Sorgen,
          Glück ist, wenn man fröhlich lacht.

          Glück ist Regen, wenn es heiß ist,
          Glück ist Sonne nach dem Guss,
          Glück ist, wenn ein Kind ein Eis isst,
          Glück ist auch ein lieber Gruß.

          Glück ist Wärme, wenn es kalt ist,
          Glück ist weißer Meeresstrand,
          Glück ist Ruhe, die im Wald ist,
          Glück ist einen Freundes Hand.

          Glück ist eine stille Stunde,
          Glück ist auch ein gutes Buch,
          Glück ist Spaß in froher Runde,
          Glück ist freundlicher Besuch.

          Glück ist niemals ortsgebunden,
          Glück kennt keine Jahreszeit,
          Glück hat immer der gefunden,
          der sich seines Lebens freut.

           
        • Clemens von Brentano

 

 

I KNOW THE DESIRE TO:

BE WANTED FOR MY OWN SAKE

BE COMPETENT IN CERTAIN FIELDS

BECOME MORE TOLERANT, LESS VULNERABLE

SO SECURE THAT DEFENSES ARE UNNECESSARY

SO MATURE THAT AT TIMES SPONTANEOUSLY

KNOWINGLY AND  FEELINGLY

I BECOME A MEANINGFUL PART

OF THE CONTINUOUS COSMIC DANCE

OF ENERGY, BEAUTY, HARMONY,

TRUTH, PEACE AND LOVE

REALIZING  THAT WITH ME  ALL IS ONE

BOUNDLESS, ENDLESS PRAISE OF BEING

 

Ilse Richards

 

 

Ich kenne das Verlangen:

um meiner selbst geliebt zu sein,

in einigen Gebieten etwas gut zu können,

toleranter zu werden, weniger verletzlich,

so sicher, dass Verteidigung unnötig ist,

so reif, dass manchmal, wie von selber,

Wissen und Gefühl mich spüren lassen:

Ich werde ein wertvoller Teil

des ewigen kosmischen Tanzes

von Energie, Schönheit, Harmonie,

Wahrheit, Frieden, Liebe,

wissend und spürend, dass  mit mir alles eins ist,

ein einziger, grenzenloser, endloser Lobpreis des Seins.

 

(übs.  P.H.)

 

Der Gedanke, dass die Gebete
der Verfolgten in höchster Not,
dass die der Unschuldigen,
die   ohne  Aufklärung ihrer Sache sterben müssen,
dass die letzten Hoffnungen auf eine übermenschliche Instanz
kein Ziel erreichen
und dass die Nacht,
die kein menschliches Licht erhellt,
auch von keinem göttlichen durchdrungen wird,
dieser Gedanke ist ungeheuerlich.”

Max Horkheimer
 

 

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Nachwort


Die Zusammenstellung von ebete und Texten  aus verschiedenen Religionen und Weltanschauungen sind vom Gedanken getragen, dass wir auf dieser Erde Brüder und Schwestern sind, unabhängig von  Religionen und Nationen, Hautfarbe oder Weltanschauung.

Beten heißt für die meisten Menschen im Westen: mit Gott sprechen. So sagen die Christen, die Moslems, die Juden, die Hindus. Die meisten Religionen setzen ein göttliches Du voraus.  Aber auch andere Weltanschauungen sprechen von Beten. Sie meinen dann oft: in Verbindung treten mit dem Göttlichen, dem universalen Kosmos, der uns hervorgebracht hat. Oder eben auch:  sprechen mit den göttlichen Kräften, die im Kosmos und in uns wirken. Wie man dies tut, sieht oder definiert, ist zweitrangig. 

Wenn wir in einer weltanschaulich gemischten Gemeinschaft ein Gebet sprechen wollen, so ist wichtig, dass es uns aus dem Herzen spricht.  So gesehen ist eigentlich jedes Gebet, das mir persönlich gefällt, in Ordnung.  Aber weil ich mich hinein-denken und hinein-fühlen kann in jemanden,  dem meine eigene religiöse Sprache oder Vorstellung fremd ist, so fühle ich mich viel besser, wenn ich ein Gebet finde, das mit großer Wahrscheinlichkeit auch von meinen Mitmenschen verstanden und akzeptiert wird, und im besten Falle als schön und wertvoll empfunden wird.

Schon bei der Einleitung entscheidet sich, ob Mitmenschen mit anderen religiösen  Einstellungen mitdenken oder abschalten. Es ist schön, wenn wir bereits bei der Einleitung Worte finden, die eine Brücke schlagen zu anderen. Wir tun gut daran, wenn wir die Einleitungsworte frei formulieren. Für Christen gilt dabei: Die Hinwendung an das Göttliche oder an Gott den Vater wird von Andersgläubigen eher verstanden als an Gott den Allmächtigen, was für viele zu dogmatisch belastet ist. Ein Gebet an Jesus Christus den Bruder  versteht man leichter als ein Gebet an Christus den Herrn. Das Gebet um Liebe versteht man eher als das Gebet um den Heiligen Geist. In diesem Sinne empfehlen wir bei ökumenischen Feiern kreative und spirituell weite Gebetsanfänge. Manchmal ist nur eine kleine Abänderung oder Einfügung, sozusagen als "Übersetzungshilfe", nötig, -  und schon öffnen sich auch diejenigen Herzen dem Gebet, die sich sonst oft  abgrenzen und versperren.

Mögen unsere Gebete beitragen zu mehr Frieden in der Welt, zwischen allen Menschen aller Religionen und Nationen.